Herr Weber! EZB oder Deutsche Bank?

Mein Brief war so gut vorbereitet, ich wollte ihn persönlich übergeben!
Er lautete wie folgt:

Sehr geehrter Herr Weber!

Sie haben „aus persönlichen Gründen“ nach einer Woche voller Rätselraten und immer wieder abgesagter Erklärungen nun letztendlich doch ihre Arbeit in diesen hartzen Zeiten aufgegeben.

Wenn wir Sie richtig verstanden haben, wollen Sie weder Ihren bisherigen Job (Bundesbank-Präsident, immerhin…) tun, noch den (Präsident EZB) über den allerseits schon gedacht wurde, dass Sie ihn hätten haben wollen. Ihrer Karriere hätte er wohl kaum geschadet.

Aber da Sie auch nach Rücksprache mit unserer geschätzten Angela Merkel nicht anderen Sinnes wurden, sieht die Sache recht prekärerweise nunmehr so aus:

Deutschland, also wir, stehen nun ohne jede Chance da, das wichtigste Amt der Euro-Zone durch einen der unseren zu bekleiden. Die SPD brachte zwar Peer Steinbrück als Ersatzkandidat ins Spiel, aber das war ein Versuch am untauglichen Objekt (A. Merkel).

Landauf landab wird gerätselt, ob Sie nun wirklich Ackermanns Nachfolger werden wollten oder ob Sie keine Chance sahen, mit Würde und Anstand EZB-Präsident zu werden.

Die anderen Euro-Chefs mögen Sie nicht so recht leiden, weil sie sich ach gar so sehr gegen den Ankauf südeuropäischer Staatsanleihen gesträubt haben.

Sie sind nicht politisch genug. Anecken mochten Sie nirgendwo. Und wie das Leben, das tosende, nun mal so ist, wenn man dann Positionen bezieht, gibt es Saures, und zwar von allen Seiten. Fragen Sie mal Frau Merkel. Aber da waren Sie ja schon, als es zu spät war.

Wenn Sie im April 2011 dann endgültigst gegangen sind, werden alle Regierungsmitglieder, die Ihnen in den Rücken fielen, sagen dass Sie ihrer uneingeschränkten Unterstützung sicher hätten sein können.

Aber über diese Brücke hätten Sie wohl nicht gehen mögen; wer will es Ihnen verdenken.

Die achtbare BILD, die ihre Leser immer aufklärt, liess verlauten: Merkel kämpft für Weber.
Sie werden wohl eher den Regierungssprecher im Ohr gehabt haben, der verlauten liess: Es ist noch offen, wen Deutschland unterstützen wird.

Den Wahlkampf haben Sie dann bei den Managern der Friedrich-Ebert-Stiftung versucht. Es wird Ihnen gut getan haben, von den Herren zu hören, es gäbe keinen besseren EZB-Präsidenten als Sie.

Da passten Sie leider nicht mehr in die Pläne unserer Kanzlerin.

In Tallin hätten Sie sich ein wenig beherrschen müssen. Frau Merkels Gesicht ist sicher schmallippig geworden, als aus Tallin zu hören war, dass Sie sich kritisch mit Merkels und Sarkozys Plänen einer Wirtschaftsregierung auseinandersetzten. Und das in einer Zeit, in der die Moderatorin Maischberger zweimal die Kanzlerin auf das Bilderberg-Thema neue Weltregierung anspricht, das es zwar gar nicht gibt, von dem aber doch so viele wissen.

Frechheit aber auch von dieser Maischberger, derart nachzuhaken.

Jens Weidmann ist da etwas glatter als Sie. Das ist ein Kanzler-Berater, wie die Banker ihn mögen. Ein Mann, der ihre Sprache auch und gerade in der Krise spricht.

Ihnen steht jetzt der Weg in die Wissenschaft offen. Am Tag der Arbeit, 1. Mai, wieder Volkswirtschafts-Professor in Köln. Das wäre doch was. Die räumen da gerade die Theater- und sonstige Kultur auf.

Und für zu Guttenberg findet sich auch etwas.

Es wird ja ein Nachfolger gesucht, für… Thomas Gottschalk.

Mit freundlichen Grüßen

BS
………..

Als ich den Brief übergeben wollte, ging Herr Weber einfach an mir vorbei.

Es hat mich getröstet, dass er auch die Journalisten hat stehen lassen.

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: